Was ist Multiple Sklerose (MS)?

 

 

Multiple Sklerose ist eine der häufigsten Krankheiten des zentralen Nervensystems (Gehirn und Rückenmark). Es handelt sich um eine entzündlich-demyelinisierende Erkrankung: das Myelin ist eine fetthaltige Schicht, welche die Nervenfasern umhüllt und sie ähnlich isoliert wie die Isolationsschicht eines elektrischen Drahtes. Dies erlaubt die raschere Übermittlung der elektrischen Impulse.

Die Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit, mit der diese Impulse geleitet werden, erlaubt feine, rasche und koordinierte Bewegungen, die mit wenig bewusstem Aufwand erledigt werden können. Bei der Multiplen Sklerose geht der Myelinverlust (Demyelinisierung) einher mit einer Beeinträchtigung der Fähigkeit der Nervenfasern, elektrische Impulse zu leiten, die vom Hirn ausgehen bzw. zum Gehirn zurück führen. Daraus erklären sich die verschiedenartigen Symptome. Die Stellen, an denen das Myelin beschädigt ist (Plaques oder Läsionen) erscheinen als verhärtete Narbengebiete: bei der Multiplen Sklerose kommen diese Narben zu verschiedenen Zeiten und in unterschiedlichen Regionen von Gehirn und Rückenmark vor: der Ausdruck „Multiple Sklerose“ bedeutet wörtlich „Verhärtungen an verschiedenen Stellen“.

 

Was verursacht MS?

 

 

Die Ursache der Multiplen Sklerose ist bisher nicht bekannt, aber Tausende von Forschern in der ganzen Welt versuchen sorgfältig und aufwendig die einzelnen Stücke dieses komplizierten Puzzles zusammenzusetzen.

Die Schädigung des Myelins bei der MS dürfte auf eine gestörte Reaktion des körpereigenen Immunsystems sein, welches normalerweise den Organismus gegenüber Eindringlingen wie Bakterien oder Viren schützt. Einzelne Aspekte der MS lassen eine „Autoimmunkrankheit“ vermuten, wobei der Körper seine eigenen Zellen und Gewebe angreift, im Falle der MS das Myelin. Es ist nicht bekannt was bei der MS das Immunsystem veranlasst, körpereigenes Myelin anzugreifen, aber es wird angenommen, dass es eine Kombination verschiedener Faktoren ist.

Nach einer Theorie könnten Viren, die möglicherweise schon lange im Körper ruhen, eine wichtige Rolle in der Krankheitsentstehung spielen und das Immunsystem verändern oder indirekt einen Autoimmunprozess auslösen. Grosse Forschungsanstrengungen sind darauf gerichtet worden, ein „MS-Virus“ zu finden: bisher ohne Erfolg. Es ist wahrscheinlich, dass es nicht ein einzelnes MS-Virus gibt, sondern dass ein weitverbreitetes Virus, wie z.B. Masern oder Herpes als Auslöser für die MS in Frage kommt. Ein solcher Auslöser aktiviert weisse Blutkörperchen (Lymphozyten) im Blutstrom, welche durch eine Schädigung der Bluthirnschranke ins zentrale Nervensystem eindringen. Wenn sie einmal dort angelangt sind, können sie andere Elemente des Immunsystems derart aktivieren, dass diese das Myelin angreifen und zerstören.

 

 

Multiple Sklerose: Eine Erkrankung mit vielen Erscheinungsformen

 

 

Rückenmark und Gehirn bilden zusammen das zentrale Nervensystem (ZNS), das für die Koordination aller motorischen Funktionen und innerorganischen Abläufe sowie für die Integration aller äußeren und inneren Reize verantwortlich ist. Dabei arbeitet es nach dem Prinzip einer Schaltzentrale, die elektrische Impulse über die von einer Isolierschicht umhüllten Nervenfasern weiterleitet.

Hauptbestandteil der Isolierschicht, der Markscheide, ist Myelin, eine weiße, fetthaltige Substanz. Bei einem an Multipler Sklerose (lat. Encephalomyelitis disseminata) erkrankten Menschen ist diese aufgrund einer Abwehrreaktion des Immunsystems irreversibel geschädigt, sodass die einzelnen Impulse nur noch verlangsamt bzw. überhaupt nicht mehr weitergeben werden können. Man spricht hierbei von einer sog. Demyelinisation (Entmarkung) der Nervenfasern, die an diversen – multiplen – Stellen auftreten kann und zur Entstehung einer verhärteten (griech. sklero = hart), narbenartigen Gewebeschicht führt. Schreitet dieser Prozess fort, kann es darüber hinaus zu einer Degeneration der Nervenzellfortsätze (Axone) kommen.

Laut Angaben des Universitätsklinikum Freiburg leiden bundesweit ca. 120.000 Menschen an dieser chronischen Entzündungserkrankung des ZNS, die häufig erstmalig zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr, aber auch bei älteren Personen nach Erreichen des 50. Lebensjahr auftritt. Im Jahre 2000 berichteten Experten der Universität Göttingen, dass auch Kleinkinder im Alter von ca. drei Jahren eine MS entwickeln können. Bei den 5.000-6.000 Neuerkrankten pro Jahr überwiegt jedoch aus noch ungeklärten Ursachen der Anteil der erwachsenen Frauen.

 

Infolge einer MS-Erkrankung können viele unterschiedliche neurologische Symptome wie, z. B. Beeinträchtigungen des Sehvermögens (u. a. Doppeltsehen), Blasenfunktionsstörungen, spastische Lähmungen der Extremitäten, Erschöpfungszustände (Fatigue), Ataxie und Tremor (Störungen der Feinmotorik) etc. auftreten. Häufig äußern sich diese Symptome in Form von sog. Schüben, die z. B. durch körperliche und seelische Belastung oder auch Infekte hervorgerufen werden und in Stärke und Häufigkeit unterschiedlich sein können.

 

Man geht von drei grundsätzlich zu unterscheidenden Krankheitsverläufen der MS aus:

 

Bei einer rezidivierend-remittierenden/schubförmigen MS (Erscheinungshäufigkeit ca. 40 %) treten ein oder mehrere neurologische Symptome nur kurzzeitig auf, d. h. sie klingen bereits nach wenigen Tagen (fast) wieder vollständig ab.

 

Bei einem sekundär-progredienten/sekundär-fortschreitenden Krankheitsverlauf (Erscheinungshäufigkeit ebenfalls ca. 40 %) entwickelt ein Großteil der Patienten mit einer schubförmigen MS in einem Zeitraum von zehn bis 15 Jahren kontinuierlich zunehmende Beeinträchtigungen.

 

Im Unterschied dazu ist

 

Die primär progrediente/fortschreitende Verlaufsform, bei der sich die auftretenden neurologischen Symptome nicht mehr zurückbilden, eher selten. Es treten auch Mischformen dieser Grundformen der Erkrankung auf.

 

 

Welches sind die Symptome der MS?

Multiple Sklerose ist eine sehr vielfältige Krankheit und die Symptome werden dadurch bestimmt, welche Gebiete des zentralen Nervensystems vom Krankheitsprozess betroffen sind. Es gibt kein fixes Muster von MS-Symptomen, vielmehr variieren die Symptome von Zeit zu Zeit und können auch im Schweregrad und in der Dauer bei der gleichen betroffenen Person sehr unterschiedlich sein. Entsprechend gibt es keine typische MS. Bei den meisten Betroffenen kommen verschieden Symptome vor.

Am häufigsten sind folgende Symptome vorhanden:

  • Sehfähigkeit

 

  • Koordination

 

  • Kraft

 

  • Empfindung

 

  • Sprechfähigkeit

 

  • Harnblasenkontrolle

 

  • Sexualität

 

  • kognitive Funktionen


Es gibt keine typische MS. Die meisten MS-Kranken erleben mehr als ein Symptom. Zwar treten manche Symptome bei vielen Kranken auf, aber keiner hat sie alle.

 

Sehstörungen

  • Unscharfes Sehen

 

  • Doppelbilder

 

  • Unwillkürliche rasche Augenbewegungen (Nystagmus)

 

  • (selten) vollständige Erblindung

Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen

  • Gleichgewichtsverlust

 

  • Tremor

 

  • Gangunsicherheit (Gangataxie)

 

  • Schwindel (Vertigo)

 

  • Ungeschicklichkeit einer Extremität

 

  • Koordinationsstörung

 

  • Schwäche, die vor allem die Beine betrifft und das Gehen beeinträchtigen kann

Spastizität

  • Eine veränderte Muskelspannung und Steifigkeit kann die Beweglichkeit und das Gehen beeinträchtigen

 

  • Muskelkrämpfe (Spasmen)

Sensibilitätsstörungen

  • Missempfindungen (Parästhesien)

 

  • Ameisenlaufen

 

  • Brennende Missempfindungen

 

  • Schmerzen, z.B. im Gesicht (Trigeminusneuralgie oder als Muskelschmerzen)

Sprach- und Sprechstörungen

  • Verlangsamtes Sprechen

 

  • Undeutliches Sprechen

 

  • Veränderungen im Sprachrhythmus

 

  • Schluckstörungen (Dysphagie)

Müdigkeit (Fatigue)

  • Eine fast invalidisierende Form einer allgemeinen Müdigkeit, welche sich kaum voraussagen lässt und unabhängig ist von der Art der Körperaktivität. Diese Müdigkeit ist eines der häufigsten (und störendsten) Symptome der MS.

Blasen- und Darmstörungen

  • Zu den Blasenproblemen gehört, dass das Wasser besonders häufig oder sehr plötzlich gelassen werden muss, dass die Blase nur unvollständig oder zu ungünstigen Zeiten geleert werden kann.

 

  • Zu den Darmproblemen gehört vor allem die Verstopfung (Obstipation) und seltener eine Stuhlinkontinenz

Sexualität

  • Impotenz

 

  • Verminderte Libido

 

  • Verminderte Sensibilität

Hitzeempfindlichkeit

  • Dieses Symptom führt sehr häufig zu vorübergehender Verschlechterung der Symptome

Kognitive und emotionale Störungen

  • Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses

 

  • Konzentrationsverlust etc.

Während einige dieser Symptome gut sichtbar sind, bleiben andere wie Müdigkeit, veränderte Sensibilität, Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme oft sehr versteckt. Es kann schwierig sein, diese gegenüber Anderen zu beschreiben und oft haben auch nahestehende Personen und Pflegende oder Mitarbeiter am Arbeitsplatz nicht genügend Verständnis dafür, dass sie Auswirkungen haben auf die Lebensqualität, die beruflichen Anstellungsbedingungen und sozialen Aktivitäten.

 

 

 

 

Wodurch wird MS verursacht?

Die Ursache der MS ist noch nicht geklärt. Man nimmt an, dass der MS ein ganzes Ursachenbündel zugrunde liegt.

Das Abwehrsystem des Körpers, das Immunsystem, spielt dabei eine zentrale Rolle. Das Immunsystem schützt vor Krankheitserregern, indem es diese unschädlich macht, wenn sie in den Körper eindringen. Bei der MS ist ein Teilbereich dieses Abwehrmechanismus falsch programmiert, das heißt, er richtet sich gegen den eigenen gesunden Körper. So kommt es z.B. durch eine Fehlsteuerung innerhalb des Immunsystems zur Bildung von Antikörpern, die sich an die Schutzhülle der Nervenfasern heften und dort Schädigungen und Störungen verursachen können. Vermutlich müssen mehrere Bedingungen und Einflüsse zusammentreffen, damit die MS überhaupt ausgelöst wird.

Auch eine Beteiligung genetischer Faktoren wird derzeit nicht mehr ausgeschlossen und intensiv erforscht. Das heißt aber nicht, dass es eine direkte Vererbung der Erkrankung gibt - vererbt wird eher eine "Neigung", die Erkrankung möglicherweise zu bekommen. Auch der Einfluss von Umweltfaktoren wie z.B. Infektionen im Kindesalter wird als ein mitbeteiligter Faktor vermutet.

Zahlreiche Forscherteams beschäftigen sich damit, die komplizierten Steuerungsvorgänge des Immunsystems aufzudecken.

Um das Rätsel Multiple Sklerose zu lösen, wird weltweit und intensiv geforscht. Die internationalen MS-Gesellschaften haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Forschung zu unterstützen, die Forschungsergebnisse zu sammeln und weiterzuvermitteln, sowie das öffentliche Interesse für diesen so wichtigen Forschungsbereich zu wecken und wach zu halten.

 

 

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